Mittwoch, 24. Februar 2010

6 How-to: Partyfotografie - Einstellungen und Ausrüstung

partyfotografie
Vor einiger Zeit habe ich mich diesem Thema schon einmal angenommen (Klick) und da einige Fragen offen blieben, nahm ich mir dies zum Anlass, den Beitrag noch einmal zu überarbeiten. Zugegeben, der Artikel ist etwas langatmig, soll aber die wichtigsten Aspekte der Partyfotografie hervorheben. Vor allem ging es mir darum, warum bestimmte Einstellungen verwendet werden. Nur so kann man dazu lernen und sich ausprobieren.



Ausrüstung
Leider ist es so, dass ihr eine vernünftige Kamera benötigt um ansprechende Ergebnisse zu erhalten. Mit Vernünftig meine ich, dass sie Möglichkeiten zu manuellen Einstellungen bietet. Dabei sind die Ergebnisse einer DSLR häufig deutlich besser als die einer Kompakten. Rauschverhalten, Einstellmöglichkeiten und die Verwendung eines externen Blitzes sprechen für eine DSLR. Fotografie auf Partys ist eben sehr anspruchsvoll. Es ist dunkel und verschiedene Lichtquellen führen zu Mischlicht, welches einen korrekten Weißabgleich erschwert. Hinzu kommt die Bewegung der Besucher die ungern lange still stehen, so dass der Blitz eingesetzt werden muss. Der Blitz kann jedoch die die Lichtstimmung und damit die eingefangene Atmosphäre der Party zerstören. Daher ist es wichtig, sich mit den Funktionen der Kamera vertraut zu machen, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Einstellungen
Ich versuche mit meinen Einstellungen die Lichtstimmung der Party zu erhalten und dabei die Personen scharf abzubilden. Dazu kann ich ein paar Grundeinstellungen vorgeben, die jedoch je nach Lichtsituation angepasst werden sollten.

Eine Möglichkeit bietet der manuelle Modus M. In diesem Modus können die Belichtungszeit, Blende und die ISO unabhängig voneinander eingestellt werden. In diesem Modus verwende ich den Blitz. Von Vorteil ist hier ein externer Blitz der sich idealerweise neigen und drehen lässt.

Die Belichtungszeit bei Partyfotos muss relativ lang sein. Dazu stelle ich vorläufig die Belichtungszeit auf eine 1/10 Sekunde und variiert diese bei Bedarf. Das Bild sollte nicht verwackeln, denn sobald der Blitz zündet, friert er das Bild ein. Stellt euch eine Tanzfläche vor auf der alles in Bewegung ist. Ohne Blitz entsteht hier jede Menge Bewegungsunschärfe auf dem Foto. Um dies zu vermeiden benötigen wir den Blitz. Der Blitz gibt dabei genau so viel Leistung ab, dass das Bild richtig belichtet wird. Die Bewegung wird eingefroren. Nun kommt die lange Belichtungszeit ins Spiel. Sie sorgt dafür, dass der Bildsensor genügend Licht des Hintergrundes einfangen kann, da die Reichweite des Blitzes i.d.R. nicht ausreicht.

Ich verwende eine möglichst hohe Lichtempfindlichkeit 400 - 1600 ISO. Zu hohe ISO-Werte führen zu starkem Bildrauschen. Ihr müsst daher selber abwägen, wie viel Bildrauschen ihr tolerieren könnt. Die hohen ISOs dienen ebenfalls dazu, möglichst viel Licht von dem Hintergrund einzufangen. Mich stört es nicht, wenn das Bild ein wenig rauscht, die erhaltene Lichtstimmung ist es wert.

Die gewählte Blende für Partyfotos sollte eher offen sein (niedrige Blendenzahl) damit sie viel Licht durchlässt, z.B. f/3.5 womit ihr eine ausreichende Tiefenschärfe erreicht. Eine größere Blendenöffnung, z.B. f/1.7, würde mehr Licht durchlassen, führt jedoch zu einer niedrigeren Tiefenschärfe, so dass Personen die nicht in der Schärfeebene stehen u.U. unscharf abgebildet werden. Ein Weitwinkel wirkt diesem Effekt entgegen, da dieser eine höhere Tiefenschärfe besitzt und größere Blendenöffnungen genutzt werden können. Da man als Partyfotograf meist sowieso unter beengten Bedingungen arbeiten muss, ist ein Weitwinkel nie verkehrt. Wenn ihr kein Weitwinkel habt, sondern eine Lichstarke 50er Festbrennweite, müsst ihr für eine höhere Tiefenschärfe stärker abblenden (höhere Blendenzahl).

Der Weißabgleich für Partyfotos steht bei mir auf "automatisch". Es ist schwierig den Weißabgleich schon vor der Belichtung korrekt einzustellen, denn sobald der Blitz eingesetzt wird, vermischt sich das Blitzlicht mit dem Kunstlicht der Party und wird dann meist blau. Im RAW-Format kann der Weißabgleich auch nachträglich gesetzt werden, benötigt aber viel Speicherplatz und eine Nachbearbeitung der Fotos. Wenn ich den Weißabgleich setze, achte ich besonders auf eine richtige Wiedergabe der Hauttöne. Für einen richtigen Weißabgleich kann eine Graukarte verwendet werden. Damit habe ich jedoch bislang keine Erfahrung gemacht.
Eine weitere Möglichkeit einen korrekten Weißabgleich zu erreichen, ist der Einsatz einer Lee-Folie. Die habe ich jedoch noch nie gebraucht, soll aber wenigstens erwähnt werden. Die Lee-Folie wird vor dem Blitz befestigt und verändert die Lichttemperatur des Blitzlichtes, so dass die Farbtemperatur des Blitzlichtes mit der Umgebung übereinstimmt. Für Partyfotos ist eine Lee 204 zu empfehlen. Der Weißabgleich wird dann auf Kunstlicht gestellt.

Die Belichtungsmessung stelle ich auf Spot ein, d.h. ein kleiner Bereich der Bildmitte ist für die Belichtung der Partyfotos verantwortlich. Da im Modus M gearbeitet wird (siehe oben), benötigt man die Belichtungsmessung nur für den Blitz.

Für Partyfotos sollte der externe Blitz zumindest neigbar (besser auch drehbar für Partyfotos im Hochformat) sein, da ein frontaler Blitz die natürliche Lichtstimmung der Party zu stark beeinflusst. Die Neigung des Blitzes sollte in einem Winkel zwischen 60 und 90 Grad liegen. Blitzt dabei möglichst gegen eine weiße Decke oder Wand. Diese reflektiert das Blitzlicht, streut dabei aber stark das Licht und reduziert unerwünschte Schlagschatten. Die Wand sollte weiß sein, da das reflektierte Licht die Wand- bzw. Deckenfarbe annimmt. Steht man mit dem Rücken zur Wand wird der Blitz auf 90 Grad geneigt um nach hinten zu blitzen. So kann das Licht von der Wand reflektieren und die Streuwirkung zusätzlich erhöhen. Letzteres erfordert dann evtl. je nach Situation eine Erhöhung der Blitzleistung, aber nur soweit, dass der Vordergrund aufgehellt wird. Man will ja nicht die gesamte Location einfrieren.
Um das Blitzlicht weiter zu streuen, kann man zusätzlich eine Bouncecard verwenden. Eine Videoanleitung findet ihr hier:


Zu unserem Ärgernis finden wir nur selten weiße Decken oder Wände. Oft sind die Decken dunkel und viel zu hoch, so dass man mit einer Softbox oder einem Bouncer/Diffusor arbeiten muss um das Licht zu streuen. Ein Bouncer ist eine kleine lichtdurchlässige Plastikkappe, die auf den Blitz gestülpt wird. Keinen Bouncer zur Hand? Zur Not geht auch ein Joghurtbecher oder eine Butterbrottüte. Kein Scherz! Im Netz finden sich zahlreiche Bastelanleitungen. Eine Softbox hingegen ist groß und das Blitzgerät mutiert schnell zum Käscher. Daher sollte ein Bouncer für Partyfotos die bessere Alternative sein. Ich muss aber dazu sagen, dass ein Bouncer aus meiner Sicht kein must-have ist. Nicht selten gefallen mir die Endergebnisse ohne Bouncer besser. Spart also lieber euer Geld für vernünftige Objektive ;-)

Auf dem zweiten Verschlussvorhang zünden hat einen gewissen Vorteil. Blitzt ihr mit TTL habt ihr nicht das Problem mit geschlossenen Augen. Das liegt an dem Vorblitz der TTL-Messung, kurz vor dem eigentlichen zünden des Blitzes. Manche Leute reagieren darauf sehr empfindlich und schließen die Augen. Blitzt ihr auf den zweiten Vorhang habt ihr dieses Problem nicht. Dafür könnte der Vorblitz die Leute verwirren, so dass sich die Leute während der Belichtung aus dem Bild bewegen oder die Mimik verändern. Dieser Aspekt spricht also für den ersten Vorhang. Am Ende müsst ihr selber entscheiden womit ihr besser leben könnt.


Letzte Tipps
Auf einer Party bieten sich Brennweiten von 16-50mm bezogen auf KB an. Es kommt vielmehr auf die eingefangene Stimmung der Party und weniger auf die Qualität an. Das Kitobjektiv führt schon zu ansehnlichen Ergebnissen. Lichtstärkere Optiken empfehlen sich jedoch eher, da diese aufgrund ihrer großen Blendenöffnung mehr Licht durchlassen und damit das Sucherbild heller wird. Die Kitoptiken haben am oberen Ende eine Blende von f/5.6, weswegen es schwieriger wird, das Gesamtbild durch den dunkleren Sucher zu beurteilen. Höhere Lichtstärke = helleres Sucherbild. Überlegt euch vorher was ihr wirklich braucht und was nicht. Es ist nicht nötig den halben Objektivpark dabei zu haben.

Sucht nach ungewöhnlichen Perspektiven. Oft sehen tiefer gelegene Perspektiven spannender aus. Vermeidet es nur auf Kopfhöhe zu fotografieren. Positioniert die Leute vor Lichtquellen, damit ihr einen bunten und hellen Hintergrund erhaltet. Versucht auch mal einen Schritt näher an euer Motiv heranzutreten.

Probiert über lange Belichtungszeiten besondere Effekte zu erzielen, z.B. indem ihr die Kamera routiert oder den Zoomring während der Aufnahme benutzt. Das kann zu verblüffenden Wischeffekten führen. Achtet darauf, dass ihr nach dem zoomen auf der richtigen Schärfeebene liegt wenn der Blitz zündet. Hier ist es angebracht auf den ersten Verschlussvorhang zu blitzen.
Bei drhel habe ich gelesen, dass man durchaus das Stroboskoplicht auf der Tanzfläche als Lichtquelle nutzen kann. Einstellungsrezepte gibt es leider nicht, so dass ihr die Kamera auf die gegenwärtige Situation anpassen müsst. Durch die vorangegangenen Beschreibungen wisst ihr nun worauf es bei der Partyfotografie ankommt und solltet das ohne Probleme hinbekommen.

Und nicht vergessen...
Ärgerlich wenn die Speicherkarte fast voll ist, aber die Party erst jetzt richtig los geht. Vergesst auf keinen Fall ausreichend Speicher dabei zu haben.

Gleiches Gilt für die Energieversorgung. Ein Zweitakku darf ebenfalls nicht fehlen.

Stellt schon vor eurem Einsatz die wichtigsten Grundeinstellungen ein. Zu schnell vergisst man die ein oder andere Einstellung, z.B. die Belichtungsmessung.


Lasst eurer Kreativität freien Lauf!



Wer jetzt erst richtig Lust auf Partyfotografie bekommen hat...

...dem möchte ich dieses Video unbedingt noch ans Herz legen:

Link: Indoor Blitzanleiter



...der sollte sich dieses Interview der NewYorkTimes mit Harry Benson durchlesen.

"Don’t be afraid. You’ll be surprised just how good your photos will be. Make sure there is some light on your subject’s face. But be brave about it. The thing about is that I’ve been awakened to see just what digital cameras can do in low-light situations. It digs right into spaces that I never thought a camera could penetrate."


Sind einige Dinge unklar geblieben oder verwendest du andere Einstellungen? Ich nehme mich dem gerne an und freue mich sehr über dein Feedback!
Falls du nun heiß auf fotografieren bist, schau dir auch den folgenden Link an:
Partyfotos - Spaß mit witzigen Fotoshootings

6 Kommentare:

monster hat gesagt…

Schönes Tutorial, hat mir sehr geholfen. Danke!

Anonym hat gesagt…

vielen danke. einfach klasse.

Anonym hat gesagt…

danke dirk!! wirklich tolles video

A Kid hat gesagt…

danke! Ich werde bald meinen ersten Versuch in der partyfotografie machen, ich hoffe es wird mirh helfen.

Kleine Frage: Nur mal so, kann man mit einer Brigekamera gute partyfotos machen?

Anonym hat gesagt…

tolles, hilfreiches tutorial, vielen dank dafür! :)

Anonym hat gesagt…

Mir hat es auch sehr gut geholfen.
Diesen Tipp müsste man mal ausprobieren, aber spannend ist es allemal.
LG Kai

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